Der Beginn der Wunderwerkstatt
- pamelabucher
- 19. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Der Puls rast. Der Blutdruck viel zu hoch. Der Rücken schmerzt. Angst schnürt den Hals zu.
Der Körper rebelliert. Nicht selten mit unklarer Ursache. So scheint es zumindest.
Keine Ahnung, wie oft ich das erlebt habe.
Menschen in körperlichen und psychischen Ausnahmezuständen, die am Ende von langen Untersuchungsreihen ohne Ergebnis ratlos waren, was ihnen fehlt.
Und da sind wir direkt beim Thema. Es fehlt ihnen was. Aber was nur?
Die meisten wissen es nicht bewusst.
Kommt man aber mit ihnen ins Gespräch, werden die meisten schnell fündig.
Es fehlt ihnen an Ruhe, Erholung, an Mut, eine eingefahrene Situation zu verlassen oder ein ungesundes Umfeld zu verändern.
Die meisten Menschen wissen es sehr wohl – oder sie spüren es, das entspricht vielleicht eher der Wahrheit.
Sie sollten aufhören, einfach zu funktionieren. Sie wollen das eigentlich schon lange.
Aber da war noch dies wichtiger und das ganz dringend und so weiter.
In Wahrheit sind es gar nicht Dinge, die wichtiger sind, was sie daran hindert, etwas zu verändern. Es sind viel eher die nagenden Gedanken aus der Tiefe. Diejenigen die einem zuflüstern: «was denkst du denn, wer du bist!» oder auch sehr beliebt «du kannst doch nicht einfach…!» Also bleibt es beim wollen. Wir zögern einen Moment zu lange und zack, schon ist der Zweifel grösser als der Mut.
Was denn sonst, wenn nicht die alten Pfade?
Die meisten wissen aber auch einfach nicht, was sie stattdessen tun sollen.
Oder wie sie das anstellen sollen. Wie sie wirklich etwas verändern sollen. Es fühlt sich an, als wäre es ein riesiger Berg, unüberwindbarer Hindernisse. Warum also anfangen, wenn ich doch eigentlich der Meinung bin, dass ich es sowieso nicht schaffen kann?
Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft ich bei solchen Gelegenheiten gehofft habe, dass wir «Medizin- Heinis» für diesen Menschen jetzt doch irgendeine hilfreiche Idee parat haben würden.
Leider waren es dann doch oft die Standard- Massnahmen, mit denen die Menschen nach Hause gingen. Und am Ende kein Stück klüger waren.
An dieser Stelle ein paar Worte zu mir:
Ich bin Pam. 42 Jahre alt und von Beruf Notfallpflegeexpertin. Vor 24 Jahren habe ich als Praktikantin im Pflegeheim begonnen und hätte mir niemals vorstellen können, was da noch alles kommt. Viele Jahre später stand ich also eines schönen Tages auf der Notfallstation, die Patienten kamen mit ihren zahlreichen Problemen und mich überkam der Gedanke: was machen wir hier eigentlich?!
Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass wir zwar helfen. Aber das Problem eigentlich nicht wirklich lösen.
Ich wusste, dass ich nichts wusste
Das nagte an mir. Sehr.
Ich empfand es zunehmend als Belastung. Ich wollte nicht einfach ein «Pflasterkleber» sein. Ich wollte wirklich helfen.
Himmel, deshalb habe ich überhaupt erst diesen Beruf gelernt. Mich ewig hinter Schulbüchern vergraben und unendlich Wissen in mich hineingeschaufelt.
Wofür?
Dass ich am Ende sagen muss: ich habe auch keine bessere Idee? Als einfach so weiterzumachen, wie bisher und auf die nächste Katastrophe zu warten?
Nein, das war ganz bestimmt nicht mein Wunsch.
Aber auch ich wusste nicht einfach so, was es denn sonst sein könnte, was den Menschen wirklich weiterhelfen kann.
Was einem Menschen zurück in seine Balance kommen lässt.
Wie man das in den Alltag integriert, ohne sich direkt ins Kloster oder auf einen heiligen Berg zurückziehen zu müssen.
Ich wusste aber eines mit Sicherheit. Das ist mir zu wenig.
Ich will den Menschen nicht dabei zusehen, wie sie immer wieder ihre Schleifen wiederholen und keinen Ausweg finden.
Wie ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden immer weiter in Schieflage gerät, ohne dass sie selbst etwas dagegen tun können.
Ich wollte den Menschen helfen. So richtig. Nachhaltig.
Und ich spürte, dafür sind wir nicht da.
Zum Leiden. Zum Aushalten und durchwurschteln.
Mit diesen Gedanken war ich dann ziemlich lange unterwegs. Und häufig ganz schön allein.
Denn in einem System seine Schwachpunkte anzusprechen, ist nicht unbedingt gern gesehen, oder in diesem Fall gehört.
Klar. Es macht Angst und verunsichert. Kenn ich ja selbst. Und es macht sichtbar, was wir so gerne im Verborgenen lassen möchten.
Und trotzdem wusste ich, es muss anders gehen. Es muss andere Möglichkeiten geben, Antworten auf solche Fragen zu haben. Eine Alternative anbieten zu können.
Nach einer sehr prägenden emotionalen Erfahrung mit einem sehr nahen Familienmitglied, welches sehr krank geworden war, wusste ich: jetzt erst recht. Ich habe keine Lust mehr auf Drumherum- Gerede. Ich will etwas anderes anbieten können.

Auf den Punkt! Danke liebe Pamela fürs Teilen dieser persönlichen Geschichte. Toll wie du dem Ruf deines Herzens folgst und mutig und mit Leidenschaft deinen Weg gehst🧡Voller Vorfreude auf den nächsten Beitrag...
Wow... der Text hat mich gerade richtig gepackt, ich liebe wie ehrlich und klar du schreibst und zugleich Einblick in (auch eigene) Gedanken ermöglichst! Ich habe mich in vielem wiedererkannt. Danke, dass du das so klar aussprichst. Es regt wirklich zum Hinschauen an. Ich bin sehr gespannt auf den nächsten Beitrag 🤍